Krankenhaus Daun

Selbsthilfegruppe für Arm- und Beinamputierte

Selbsthilfegruppe für Arm- und Beinamputierte

Die Teilnehmer der Selbsthilfegruppe mit Sektionsleiter der Gefäßchirurgie Wolfgang Wagner (hinten li.) erster Vorsitzender Arnold Jansen (3. v. r.)
und leitender Oberarzt der Abteilung Chirurgie Dr. med. Michael Pfeiffer (2. v. r.)

Was Selbsthilfegruppen leisten

Was tun, wenn eine Gliedmaße oder ein Teil davon entfernt werden muss? Wer bringt einem bei, mit der neuen Lebenssituation, den neuen Herausforderungen, Gedanken und Sichtweisen umzugehen?

Die professionelle Seite rund um die Versorgung über Akutmedizin, Rehabilitation, Physiotherapie und Orthopädie entlässt den Betroffenen nach der Amputation bald wieder in seinen Alltag. Doch wer hilft, wenn noch so viele Fragen offen sind? Wer hilft bei der Umsetzung der Teilhabe eines noch nicht berenteten Betroffenen? Wer nimmt sich die Zeit für Gespräche, kennt die Nöte, kann Wege und Möglichkeiten in ein neues, lebenswertes Leben aufzeigen? Betroffene kümmern sich in den Selbsthilfegruppen um Betroffene!

Natürlich bleiben Ärzte und Therapeuten die wichtigste Adresse in Sachen der Behandlung akuter gesundheitlicher Probleme und der Rehabilitation. Kein Zweifel daran! Aber Teilnehmer einer Selbsthilfegruppe wissen nicht nur über die alltäglichen Probleme zu berichten, welche nicht in die medizinische oder therapeutische Zuordnung fallen, sie haben vielmehr über die Jahre hin ein Gespür dafür bekommen, was ihnen guttut und was sie nicht weiter bringt oder ihnen gar schadet. In Gesprächen während der Treffen können die Teilnehmer wertvolle Tipps geben, wie man auch mit Handicap und den damit verbundenen Problemen den Alltag meistern kann. Es geht darum, sich jeden Tag neu zu motivieren und zu lernen, mit den Unzulänglichkeiten umzugehen.

Stillstand ist Rückschritt
Es gibt im Leben kaum eine existenziellere Angst als die, ab einem gewissen Punkt, z.B. nach einer Amputation, auf dem absteigenden Ast des Lebensbaumes gelandet zu sein. Diese Ängste ziehen einen immer enger werdenden Strick um den Hals, bis man irgendwann ganz den Mut verliert. In einer Gruppe Gleichgesinnter erfährt der Betroffene, wie er etwas ändern und so die allgemeine Trübsal überwinden kann. Hier gilt es wie fast überall: Stillstand ist Rückschritt. Wer nichts ändert, hat verloren. Denn nur derjenige, der es schafft, etwas verändern zu wollen, und z.B. an seinen erschlaffenden Muskeln der betroffenen Gliedmaße arbeitet, erfährt langfristig eineVerbesserung seiner Gesamtsituation. Ohne diese Anstrengung bildet sich die Muskulatur zurück und die körperliche Fitness wird schlechter.

Gleichbetroffene denken in Sachen ihrer Thematik oftmals gleich oder ähnlich. Man muss nichts ausschweifend erklären, muss keine Entschuldigungen suchen, muss sich für nichts schämen. In einer offen gehaltenen Runde wird offen gesprochen. Alle wissen, dass kein gesprochenes Wort und keine tief empfundenen Emotionen die Runde verlassen. Man begegnet sich auf Augenhöhe! In der offenen Runde können viele Probleme angesprochen und Lösungen gefunden werden.

In der Gruppe ist man stärker als alleine
Nun, es ist ein recht weiter Weg für Amputierte zurück in einen Alltag ähnlich dem, wie er vor der Amputation war. Ob für Beinamputierte, deren Weg im wahrsten Sinne des Wortes mit Hindernissen, wie einer schlecht gearbeiteten Beinprothese gespickt ist, oder für Armamputierte, deren Versorgung nicht optimal ist, da Hände nun einmal um Welten vielfältiger verwendet werden als Füße. Aber auch hier gilt wie so oft: in der Gruppe ist man stärker als alleine. Es gibt mittlerweile und in steigendem Maße immer mehr Angebote für Menschen mit Handicap. Seien es sportliche Aktivitäten, Ausflüge, Wanderungen oder auch nur gemütliches Beisammensein. Alles ist dazu geeignet, die Aktivität zu steigern und am Alltag wieder teilzuhaben.

Der Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation muss neutral bleiben gegenüber Prothesenherstellern und OT-Häusern. Aber eine Selbsthilfegruppe darf gerne die Angebote annehmen, die von Otto Bock, Össur oder anderen namhaften Herstellern an die Teilnehmer herangetragen werden. Diese Unternehmungen sind von einer ganz speziellen Motivation, fördern sie doch die Auseinandersetzung mit der Technik, die die beinamputierten auf den Beinen hält.

Das Ideal für Menschen mit Handicap ist die weitestgehende Wiedereingliederung in den Alltag. Endlich wieder gehen können, schmerzfrei sein, selbst ein Fahrzeug führen dürfen und können, selbständig sein…das sind Erlebnisse, die Kraft geben. Diese Kraft macht Mut für mehr.

Die Mitglieder der Amputiertenselbsthilfegruppe Wittlich – Eifel, Mosel, Hunsrück e.V. (www.amputiertenselbsthilfe-wittlich.de) für majoramputierte Menschen (Arm- bzw. Beinamputation) können und dürfen zwar keine rechtlichen oder medizinischen Ratschläge geben, aber sie sprechen über ihren Alltag und wie sie ihn besser meistern können. Sollten Sie oder ein Angehöriger betroffen sein, nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf. Wir zählen zurzeit knapp zehn Mitglieder aus den Landkreisen Bitburg/ Prüm, Vulkaneifelkreis, Cochem-Zell und Bernkastel/Wittlich und treffen uns regelmäßig im Gefäßzentrum des Verbundkrankenhauses in Wittlich und im Krankenhaus Daun. Wir streben weitere gemeinsame Zusammenarbeiten mit Kliniken an.

Kontakt:
Arnold Jansen
56812 Dohr
Tel. (des BMAB): 089 41617403005
E-Mail: mittelmosel@shg.bmab.de

Arnold Jansen
Präsidiumsmitglied Bundesverband für Menschen
mit Arm- oder Beinamputation


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