Krankenhaus Daun

Das Karpaltunnelsyndrom

Das Karpaltunnelsyndrom entsteht durch eine Einengung des Mittelarmnerves (Nervus medianus) und löst Handschmerzen und klassischerweise ein Taubheitsgefühl im Bereich von Daumen, Zeige- und Mittelfinger aus.

von Dr. med. Christoph Niewöhner, Oberarzt Orthopädie, MVZ Orthopädie

Das Karpaltunnelsyndrom umfasst Beschwerden, die ihre Ursache in einer andauernden Druckbelastung des Mittelarmnerv (Nervus medianus) haben. Um die Hand nervös zu versorgen, muss der Mittelarmnerv eine anatomische Engstelle, den Karpaltunnel, passieren. Dieser befindet sich auf der Innenseite des Handgelenks und wird vom gelenkverstärkenden Karpalband (Retinaculum flexorum) und den Handwurzelknochen gebildet. Das Karpaltunnelsyndrom ist weit verbreitet. Am häufigsten tritt es im Alter von etwa 40 bis 70 Jahren auf. Das Erkrankungsrisiko liegt bei etwa 10 Prozent, wobei Frauen doppelt so häufig von der Erkrankung betroffen sind wie Männer.

Verdicken sich im Laufe des Lebens die Sehnenscheiden der im Karpaltunnel verlaufenden Beugesehnen oder das Karpalband, drücken diese Strukturen auf den darunter liegenden Mittelarmnerv (Nervus medianus). Betroffene leiden in der Folge unter Handschmerzen, Gefühlsstörungen bis hin zu Lähmungen im Bereich des Daumens, Zeige- und Mittelfingers. Die Gefühlsstörungen treten insbesondere nachts und morgens auf ("nächtliche Gefühlsstörung"). Zu Beginn der Erkrankung treten die Symptome immer nur zeitweise unter Belastung auf und verschwinden dann wieder. Betroffene verspüren oft ein Kribbeln in den Fingern, ähnlich wie bei “eingeschlafenen” Körperteilen.

Je länger das Karpaltunnelsyndrom unbehandelt bleibt, desto mehr wächst die Gefahr einer dauerhaften Nervenschädigung. In späteren Krankheitsstadien nehmen die Schmerzen zu und treten auch in Ruhe auf (Ruheschmerzen). Dann kommt es zu Missempfindungen und Kraftverlust, wodurch alltägliche Tätigkeiten wie das Schließen eines Hosenknopfes, das Halten einer Kaffeetasse oder das Drehen des Autolenkrads zur Herausforderung werden. Feinmotorische Aufgaben werden für Betroffene schwieriger und die Hand wird insgesamt ungeschickter. Durch die daraus resultierende Schonhaltung, die der Patient aufgrund der Schmerzen einnimmt, bilden sich die Muskeln zurück und verkürzen.

Der erste Schritt zur Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms erfolgt immer über konservative Therapiemaßnahmen. Schienen (Orthesen), die das Handgelenk in einer neutralen Position ruhigstellen, entlasten den Nervus medianus. Auch physiotherapeutische Maßnahmen können die Beschwerden eines beginnenden Karpaltunnelsyndroms lindern. Die Infiltration des Karpaltunnels zählt ebenfalls zu den konservativen Therapiemöglichkeiten. Wenn konservative Maßnahmen über einen längeren Zeitraum keine Besserung der Beschwerden bewirken, kann das verdickte Karpalband (Retinaculum flexorum) mit einem einfachen Schnitt in Lokalanästhesie ambulant durchtrennt werden. Eine Krankenhauseinweisung oder ein stationärer Aufenthalt sind nicht erforderlich.


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