Krankenhaus Daun

Luftnot - es ist nicht immer ein Atemwegsinfekt

Gerade heutzutage in Zeiten der Corona Pandemie ist man hinsichtlich Husten und Luftnot besonders sensibilisiert.

von Christos Diamadis, Oberarzt Viszeralchirurgie

Husten, Auswurf mit und ohne Fieber beunruhigen die Bevölkerung sehr. Luftnot tritt häufig im Rahmen eines Atemwegsinfektes auf und geht dann oft mit Husten, Fieber und Auswurf einher. Auch kann eine Herzinsuffizienz (unzureichende Herzpumpfunktion) Luftnot verursachen, welche dann häufig mit einer Schwellung der Extremitäten einhergeht, wobei der Husten meist hellen, glasigen Auswurf fördert. Auch bei einem Verschluss der Lungenarterien tritt eine Luftnot auf, welche oft mit einem Vernichtungsschmerz einhergeht und akut lebensbedrohlich ist.


Abb. A: re. seitiger Pneumothorax: Die Pfeile markieren den Rand des kollabierten Lungenflügels
Abb. B: Eine sog. Büllaudrainage wurde zwischen Brustwand und Lunge eingebracht, die Lunge ist wieder entfaltet. Der Pfeil markiert die Büllaudrainage

Jedoch tritt insbesondere bei jüngeren Patienten das Symptom der Luftnot auch unabhängig von den oben beschriebenen Erkrankungen auf. Das Symptom der plötzlich auftretenden Luftnot findet man auch bei einem sogenannten Spontanpneumothorax, welcher wie aus heiterem Himmel auftritt.

Beim Pneumothorax tritt Luft (pneuma) in den Spalt zwischen den beiden Pleurablättern und löst die Lunge von der Brustwand ab, woraufhin die Lunge von der Luft, welche sich außerhalb der Lunge befindet, verdrängt wird und kollabiert. Dadurch wird die Ausdehnung des Lungenflügels oder manchmal auch beider Lungenflügel behindert. Aufgrund dessen wird die Atmung eingeschränkt, und für den Körper steht immer weniger Sauerstoff zur Verfügung.

Die Stärke der Luftnot variiert abhängig von der Luftmenge im Bereich zwischen Brustwand und Lunge, welche die Lunge zusammendrückt und damit verdrängt bzw. die Lunge kollabieren lässt. Bei starker Lungenflügelverdrängung besteht akute Lebensgefahr, der Patient muss umgehend behandelt werden. Die Luft im Pleuraspalt muss hier umgehend entfernt werden. Im Zweifel ist eine notärztliche Versorgung erforderlich. Dies gilt insbesondere im Fall eines Spannungspneumothorax, da hier über einen Ventilmechanismus die Luft nicht wieder entweichen kann und den Lungenflügel und das Herz auf die Gegenseite drückt. Dadurch verschlechtert sich die Herzpumpleistung und es kann zum Herzstillstand kommen.

Pneumothorax Symptome können weiterhin sein: Hustenreiz, bläuliche Verfärbung der Haut, Schmerzen im oberen Brustkorb bei tiefem Einatmen, Druck, Schmerzgefühl und oft eine beschleunigte Atmung. Es können manchmal auch Luftübertritte unter die Haut, insbesondere im Brustkorb und Halsbereich, festgestellt werden, welche bei Berührung knistern.

Der Spontanpneumothorax (Abb. A) tritt bei ca. einem Drittel der Patienten ohne erkennbare Ursache auf. Typischerweise handelt es sich um junge Männer bis zum ca. 40. Lebensjahr, welche nach Hustenstoß oder Niesen einen stechenden Brustschmerz und Luftnot beschreiben. Häufig handelt es sich um Raucher oder auch um Patienten, die ein bisher nicht bekanntes und symptomloses sogenanntes bullöses Lungenemphysem haben. Auch nicht erkannte andere Lungenerkrankungen wie COPD können einen Spontanpneumothorax auslösen.

Verletzungen können ebenfalls einen Pneumothorax hervorrufen, vor allem nach Rippenbrüchen, Stich- und Schussverletzungen, Quetschungen des Brustkorbes, plötzliche Druckveränderungen beim Fliegen oder Tauchen.

Typischerweise wird eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbes durchgeführt, um das Ausmaß des Pneumothorax zu ermitteln und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Bei ausgeprägtem Befund wird eine sogenannte Büllau Drainage in örtlicher Betäubung in den Brustraum eingebracht. Diese Drainage wird an ein Unterdruck System angeschlossen, und damit die Luft aus dem Plauraspalt abgesaugt, sodass sich die Lunge wieder entfalten kann, sich wieder an die Brustwand anlegt und fixiert.

Falls sich herausstellt, dass eine große Menge Luft immer wieder in den Pleuraspalt austritt, wird eine Computertomographie des Brustkorbes durchgeführt, um den Grund und die Lokalisation zu ermitteln.

Oft finden sich sogenannte Bullae (Blasen) der Lunge im Bereich der Lungenspitze. Hierbei handelt es sich oft um angeborene Lungengerüststörungen mit blasenartigen Veränderungen der Lunge bei besonders dünner Lungenwand.


Abb. C: Operationssituation mit mehreren Bullae (Bläschen) an der Lungenspitze. Der erkrankte Lungenbereich wird mit Hilfe eines Klammerinstrumentes im Rahmen einer Brustkorbspiegelung entfernt und zugleich verschlossen.

Die dauerhaft effektive Therapie besteht darin, nach erfolgter Notfallversorgung mit Büllau Drainage das erkrankte blasenartige Lungengewebe zu entfernen (Abb. C).

Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

1. Die Brustkorberöffnung und Entfernung der kranken Lungenanteile und Nahtverschluss der Lunge.

2. In der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses Daun werden diese Bullae in einem minimal invasiven Verfahren behandelt. Es wird eine sogenannte VATS (Videoassisted thracoscopic surgery) durchgeführt: Über wenige Zentimeter große Hautschnitte wird mit einem 3D Videosystem in den Brustkorb eingegangen und mittels Spezialklammergerät der erkrankte Lungenbereich abgetrennt und entfernt. Anschließend erfolgt eine Versorgung mittels Unterdruck-Drainage für wenige Tage. Nach Entfaltung der Lunge wird die Drainage wieder entfernt.

Danach kann der Patient die Belastung langsam steigern und in seinen Alltag und Beruf zurückkehren.


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